Freitag, 8. Februar 2013

Kapitel 2- Teil 6.

"Hallo Nora!" Durch meinen Bauch fuhr Galle nach oben, brodelte in meinem inneren, drohte herauszustoßen. "Hallo Ryan!", hörte ich mich ruhig sagen. "Weißt du wo Soraya ist?", fragte er und lächelte mich an. Ein Lächeln in das ich hineinschlagen könnte. "Nein tut mir Leid!" Tat es mir nicht. Wegen mir konnte sie sein wo sie wollte. Hauptsache er war nicht hier. Ich nickte ihm nochmals zu und drehte mich um. Jetzt konnte er mein Gesicht nicht mehr sehen. Es war wutverzerrt, das wusste ich. Ich ballte meine Hände zu Fäusten und zwang mich tief durchzuatmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. An nichts anderes mehr denken bis er weg ist. Und dann ging er weg. Hoffentlich für immer. Ich wusste das dich nicht der Fall war aber ich wollte ihn nicht hier haben. Vielleicht würde ohne ihn alles wieder perfekt werden. Vielleicht würde sie dann mit Soraya und Jason glücklich sein. Vielleicht. Aber unwahrscheinlich. Soraya hatte mich für ihn fallen gelassen. Ich war ihr nichts mehr wert. Nichts würde mehr werden wie früher. Ich ging in mein Zimmer und betrachtete mich im Spiegel. Hatte ich zugenommen? Ich musste dringend weniger essen. Mein Körper war zu breit, obwohl ich immer schlank gewesen war. Mein Haar hing, in einer Mischung aus lockig und glatt in meinem Gesicht, welches blass und verzweifelt aussah. Ich sah schrecklich aus. Mit einer Bürste kämmte ich meine Haare aus dem Gesicht, und legte die Kleidung ab, den weißen Bikini an. Er machte mich noch blasser, und ließ meine Figur noch fetter wirken. Kurzentschlossen tappte ich in Sorayas Zimmer, und nahm mir ihren roten Bikini. Ich zog mich um. Ich war immer noch fett aber nicht mehr blass. Wenigstens etwas. Früher hätte ich nie etwas von Soraya genommen ohne zu fragen. Da war ich nirgendwo ohne sie hingegangen. Sie würde es sowieso nicht merken. Wahrscheinlich ging sie immer nackt schwimmen. Ich spürte wie die Tränen kamen. Mein Gehirn schaltete auf diesen Modus, in dem es Dinge verdrängte. Statt an die Wahrheit dachte ich an nette Dinge wie kleine Welpen oder Pferde. Darin war ich gut. Die Tränen verschwanden. Ich zog ein geblümtes Top und Hotpants über Sorayas Bikini und beschloss meine Haare zusammen zu binden. Sie waren nicht hübsch genug um sie offen zu lassen. Dann legte ich Maskara auf und nahm meine Tasche.
Als ich aus dem Haus trat ließen mich meine Sorgen langsam los. Ich würde ihn sehen. Meinen rettenden Engel. Mein ein und alles. Jason. Meine Schritte wurden schneller, während ich zu seinem Haus lief. Es war ein nettes, kleines Haus, mit Blumen und Büschen im Garten, und ordentlichen Gardinen vor den Fenstern.  Ich wusste von Jason, das die Haushälterin seines Vaters auf so etwas Wert legte. Jasons Zimmer war anders. Es war in einem satten Grün gestrichen, und schlicht in Grün und Schwarz gehalten. Es hingen keine Poster an den Wänden. Das einzige Möbelstück außer Tisch, Bett und Schrank war eine große Stereoanlage. Jason liebte Musik, soviel hatte ich mitbekommen.
 Als ich meinen Finger auf die Klingel legte zögerte ich erst kurz. Was wenn sein Vater aufmachen würde? Ich hatte ihn noch nicht kennengelernt. Ich hatte Angst vor Fremden, Angst was sie von mir denken würden und Angst was er über unsere Beziehung sagen würde. Das war vielleicht mein größtes Problem. Das ich Angst vor Neuem hatte. Ich klingelte.


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