Soraya hatte gemerkt das etwas nicht so war wie sonst. Was für ein Wunder. Wenn ich deprimiert war neigte ich immer zu Sarkasmus. Soraya versuchte aus mir heraus zu quetschen was los war. Sie tippte darauf dass ich auf Tyler stand, einen Jungen der laut ihr 'unheilbar in mich verliebt war'.
Sie merkte nicht wie sehr ihre Oberflächlichkeit mich nervte. Es zerfrass mich von innen.
Gestern hatte Soraya Mom und Dad ihren 'zukünftigen Verlobten' vorgestellt. Mom und Dad hatten ihn geliebt. Während des gesamten Abendessens hatte ich still dagessen und auf meinen Teller gestarrt, unfähig auch nur einen Bissen zu mir zu nehmen. Mom hatte mich danach ausgeschumpfen warum ich so unhöflich war. Sie verstanden mich alle nicht. Jeder wollte wissen was mit mir los war. Sie suchten alle die Fehler bei mir anstatt nachzudenken was mich so unglücklich machte. Ryan hatte nicht nur Sorayas und meine Freundschaft zerstört, sondern auch das Verhältnis zu meiiner Familie. Sie schienen alle zu akzeptieren dass ich mich veränderte. Ich war den ganzen Tag weg, saß in meiner Höhle und schrieb meine Gedanken auf. Ich aß kaum mehr etwas, und nahm immer mehr ab. Es kümmerte mich nicht. Ich nahm von innen ab, nicht von außen. Mein Herz wurde immer mehr zerfressen wenn ich Soraya und Ryan in Sorayas Zimmer lachen hörte. Oder noch schlimmer wenn ich ihre Geräusche hörte.
Ich konnte das nicht mehr lange durchhalten. Ich musste etwas tun. Was nur? Sie zerstörten mein Leben. Was sollte ich nur tun? Ich schrieb geheime Pläne in mein Tagebuch was ich tun könnte. Ryan eine Affäre anhängen. Soraya einen Liebesbrief von einem unbekannten Schönling schreiben. Ich zerbrach mir den Kopf. Viele würden mich jetzt egoistisch nennen. Warum kann ich sie nicht einfach glücklich sein lassen? Der Grund dafür war dass ich mein Leben lang selbstlos gewesen. Ich hatte Soraya immer zuerst in die Bonbontüte greifen lassen bevor ich mir etwas genommen hatte. Ich wollte immer das es ihr gut ging. Und wann war ich an der Reihe? Das Schlimmste fand ich, war dass Soraya es nicht so wirklich interessieren wollte was mit mir los war. Sie hatte nur noch Augen für Ryan. Wenn sie mit mir redete dann nur um mir zu erzählen wie toll er war.
Ich gebe es zu. Ich war eifersüchtig. Einer meiner großen Fehler. Eifersucht. Ich konnt andere nicht glücklich sein lassen.
Ich bohrte mir den Bleistift ins Bein und überlegte. Nicht einmal das gleichmäßig an die Steine klatschende Wasser konnte mich beruhigen. Mir fiel nichts ein. Was konnte ich tun? Mein Leben konnte so nicht weitergehen.
Das war der Tag an dem ich die Scherbe fand. Sie kam angeschwemmt. Direkt vor meine Füße. Blitzendes Sonnenlicht in scharfen Kanten. Ungläubig hob ich sie auf. War das Zufall? Wollte jemand dass ich diese Scherbe fand? Ich hob sie auf und fuhr mit dem Zeigefinger über die scharfe Klinge. Sie war scharf. Wut überkam mich. Und Trauer. Salzige Tränen liefen über meine Mundwinkel. Ich hatte nicht bemerkt dass ich angefangen hatte zu weinen. Ich schloss die Hand fest um die Scherbe und drückte zu. Schmerz fuhr durch meine Hand. Schmerz war gut. Er erinnerte mich daran dass ich atmen musste. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Er erinnerte mich daran dass ich lebte.
Als ich meine Hand wieder öffnete war sie blutig. Ich nahm die Scherbe in die andere Hand und starrte auf meinen Arm. War ich stark genug? Der Gedanke an Sorayas Lachen als Ryan sie geküsst hatte stärkte mich. Ich legte die Scherbe an meiner Haut an und riss sie in einem Zug nach unten. Blut trat aus der Wunde, und es brannte. Ich legte den Kopf in den Nacken und lachte ein wutgetränktes Lachen. Dazu brachten sie mich. Ein Tropfen Blut rann von meinem Arm auf mein Tagebuch und ich schloss es. Nichts konnte mir dabei helfen mit Soraya und Ryan fertig zu werden. Es war vollbracht. Der erste Cut in meinem Leben. Der erste Abschnitt meines Todes.

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