Leben. Sterben. Leben. Sterben. Ein Kreislauf. So oft hatte ich daran gedacht den Schritt zu machen. Den Schritt.
Ich hatte oft alles im Kopf durchgespielt. Aufgeritzte Adern, Blut. Oder tote Körper unter einem Zug. Es gab so viele Möglichkeiten. Ich hatte mich nicht entscheiden können. Vielleicht war das der Grund warum ich noch am Leben war. Weil ich mich nicht entscheiden konnte. Weil ich einfach nicht entschlossen genug war.
Ich trat hart auf den Boden auf. Durch meinen Kopf wirbelten die Gedanken nur so. Ich hatte mich entschieden. Würde meine Entscheidung fest genug sein? Salzige Tränen traten in meinen Mund. Ich hatte nicht bemerkt dass ich angefangen hatte zu weinen. Ich schmeckte die Tränen, kostete Wut und Trauer, wie die Gefühle explodierten.
Meine zitternden Hände umklammerten das kalte Metall. Es begann langsam zu schneien. Meine Finger waren steif vor Kälte, so lange stand ich schon dort und starrte hinunter. Nur ein Schritt. Den Schritt.
Ich spürte wie immer mehr Schnee auf mein Haar fiel, und mich zudeckte, unter einer weißen, eiskalten Decke des Todes. Ich hatte mich entschieden. Entscheidungen konnte man nicht mehr rückgängig machen. Oder?
Ich trat einen Schritt näher und lehnte mich über das Geländer. Das Metall kratzte seltsam an meinen wunden Armen. Voller Schnitte. Jeder Schnitt stand für einen Grund. Einen Grund zu Sterben. Ich hatte es laut gesagt, ohne das ich es wollte. Jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Meine Hände zitterten nicht mehr. Ich sah wieder klar. Ich schwang mit großer Anstrengung mein Bein über das Geländer. Unter mir wartete der Tod. Das andere Bein war schneller drüben. Jetzt stand ich dort. Frei. Der Schnee peitschte mir ins Gesicht als ich nach unten sah. Sollte ich los lassen?
Ich konnte mich wieder nicht entscheiden. Wut schoss in mir hoch und ich biss heftig auf meine Unterlippe. Schmerz half immer Dinge zu verkraften. Immer. Ich spürte das Blut und saugte es befriedigt aus. Es tat so gut.
In meinen Gedanken sah ich sie alle. Jeden einzelnen von ihnen. Und dann sah ich sie. Und dann wusste ich, ich musste loslassen.
Ganz klar wurde alles. Der Schnee fiel nicht mehr. Die Kälte war verschwunden. Meine verkrampften Finger lösten sich.
Ich fiel.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen